Folge 5: Wie können wir nachhaltiger Bauen?

Shownotes

Wie können wir nachhaltiger Bauen?

Bezahlbarer Wohnraum fehlt – gleichzeitig verbraucht die Baubranche enorme Mengen an Ressourcen und produziert riesige Abfallberge. Und ein Problem wird oft übersehen: Uns gehen die Baustoffe aus. Sand, Kies, Metalle – vieles davon ist endlich. Wie können wir also in Zukunft noch bauen?

Anja Rosen erklärt, warum das aktuelle „Take-Make-Waste“-Prinzip an seine Grenzen stößt – und was zirkuläres Bauen konkret bedeutet. Sie spricht darüber, warum Abriss oft die schlechteste Lösung ist, weshalb Bestandsgebäude plötzlich zum Schatz werden und welche Rolle Wiederverwendung dabei spielt.

Außerdem geht es um ganz praktische Hürden: fehlende Materialien, starre Normen und eine Bürokratie, die zirkuläres Bauen aktuell noch erschwert. Und darum, warum es trotzdem Hoffnung gibt – auch in Münster, etwa mit Projekten wie der Kreisl Kiste auf dem Domplatz.

Gast & Host

Anja Rosen ist Professorin für Circular Economy an der School of Architecture der FH Münster. Sie forscht und lehrt zu zirkulärem Bauen, Urban Mining und nachhaltigen Konstruktionsmethoden. Mit Projekten wie der „Kreisl Kiste“ bringt sie das Thema aus der Theorie in die Praxis.

Anna Niere ist Redakteurin bei RUMS. Sie liebt Gespräche zwischen Politik und nischigem Alltagswissen.

Über „Die große Frage“

„Die große Frage“ widmet sich regelmäßig tiefgehend einem Thema – egal ob Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur. Dafür sind immer wieder Gäste aus Münster zu Besuch vor dem RUMS-Mikrofon.

Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:10: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge von Rums Podcast, die große Frage.

00:00:15: Ich bin Annaniere Redakteurin bei Rums Und hier dreht sich jetzt heute alles ums Bauen.

00:00:21: Durch den mangel an bezahlbaren Wohnraum im Münster

00:00:24: ist

00:00:24: auch das Bau ein immer wichtiger werdendes Thema hier.

00:00:27: Das Problem ist nur Die Baubranche, die ist weltweit eine der größten Müllproduzenten Und das ist jetzt nicht gerade sehr nachhaltig und zukunftsaorientiert.

00:00:36: Durch Zirkulärsbauen könnte sich das allerdings ändern, was hinter zirkulären Bauern steckt und wie das funktioniert.

00:00:42: Darüber rede ich heute mit Anja Rosen.

00:00:45: Anja-Rosen ist Professorin für den Fachbereich Circular Economy and the School of Architecture der FH Münster.

00:00:52: Hallo Frau Rosen!

00:00:56: Sie beschäftigen sich ja schon seit vielen Jahren mit dem Bauen im Gegensatz zu mir.

00:01:00: Ich habe da sehr wenig Ahnung von.

00:01:02: Was ist denn momentan Ihrer Meinung nach das größte Problem der Baubranche?

00:01:07: Momentan drückt die Baubrange hohe Preise.

00:01:10: Hohe Zinsen, wir merken ja dass die Baubranche wirklich aktuell jetzt ein bisschen wirtschaftliche Schwierigkeiten hat.

00:01:18: Ich möchte nicht sagen zum Erliegen gekommen ist das wäre falsch.

00:01:20: aber natürlich bauen immer weniger Leute oder sie bauen immer weniger um weil sie kein Geld haben und es liegt daran dass wir eine Phase hinter uns haben wo des Bauen gebumpt hat und aufgrund dieses Bums natürlich die Preise enorm gestiegen sind.

00:01:37: Hinzu kam dann der Krieg in der Ukraine, jetzt der Kriege im Iran.

00:01:41: Die Energiepreise sind gestiegen.

00:01:44: Covid hat auch einen Teil dazu beigetragen, dass natürlich die Preise gestiegen sind und das belastet im Momenten die Menschen, die bauen möchten.

00:01:53: Das heißt sie halten sich zurück.

00:01:55: Was aber, glaube ich noch so ein bisschen im Hintergrund schlummert ist die Tatsache dass auch nochmal eine zusätzliche Belastung oder eine viel größere Belastungen kommen wird weil uns schlicht die Baustoffe ausgehen.

00:02:08: Das heißt, das Bauen wird noch mal wieder teurer weil wir nicht genug Ressourcen haben.

00:02:14: Die Baubranche – Sie haben es erwähnt – ist eine der größten Abfallproduzenten und aber auch einer der größsten Treiber des Ressoursenverbrauchs.

00:02:20: Also über die Hälfte aller Ressoucen, die wir abbauen, ist durch das Bauwesen verursacht.

00:02:26: Und man denkt immer zum Beispiel Sand?

00:02:29: Gibt es wie Sand am Meer?

00:02:30: War immer so ein Spruchwort!

00:02:31: Das darf man eigentlich nicht mehr sagen, denn mittlerweile geht uns tatsächlich sogar auch der Sand zum Bauen aus.

00:02:36: Der Sand zum Beispiel für einen der berühmtesten Bahnhöfe in Deutschland, Stuttgart-Einzwanzig wird mittlerweile aus den neuen Bundesländern herangekart weil es örtlich kaum noch Sand gibt.

00:02:49: Das wundert jetzt den ein oder anderen vielleicht, weil man denkt im Boden ist doch genug Sand aber natürlich ist die Fläche für deren Abbau begrenzt und Es gibt schon Spekulationen, den Sand aus der Wüste zu holen.

00:03:01: Das funktioniert aber nicht weil Wüsten Sand zum Bauen nämlich einfach aufgrund der kleinen runden Körnung schlichtweg nicht geeignet ist.

00:03:07: Also haben wir da tatsächlich einen Ressourcenproblem.

00:03:11: Spannend!

00:03:11: Das war mir vorher auch noch gar nicht so bewusst.

00:03:13: Würden Sie einmal vorab erklären damit für alle mit dem Begriffen hier richtig umgehen können?

00:03:18: Was versteht man genau unter zirkulären Bauern?

00:03:24: Zircleus-Bauen ist eine der Lösungen für das Problem, was ich gerade geschildert habe.

00:03:29: Im Großen und Ganzen geht es darum, dass wir die natürlichen Kreisläufe der Erde unseres Planeten beachten.

00:03:36: Es gibt den Kohlenstoffkreislauf, den atmosphärischen Kreislauf oder den Wasserkreislauf.

00:03:42: Und momentan ist es so, dass diese Kreisläufe nicht beachten werden.

00:03:46: Wir haben gelernt, mit erneuerbaren Energien umzugehen.

00:03:49: Ich glaube das ist einfach nur noch ein Umsetzungsproblem bis wir da vollständig unsere Wirtschaft auf Erneuerbare Energien Umgestellt haben.

00:03:58: Die Sonne liefert uns Energie ohne Ende.

00:04:02: Wir befinden uns in einem Kreislaufsystem auf der Erde.

00:04:05: Wir sind in einem übergeordneten Kreislaufsystem, nämlich im Sonnensystem und wir haben kein Energieproblem weil die Erde auf die Sonne scheint.

00:04:13: Wir haben aber ein Ressourcenproblem.

00:04:14: Wir können uns nicht einfach Kies und Sand und Ärzte usw.

00:04:18: von einem anderen Planeten holen auch wenn manche sich das vielleicht wünschen würden dahin zu reisen.

00:04:23: Aber ich glaube über kurz oder lang wird es nicht möglich sein vom Mars oder ähnlichen Planeten diese Rohstoffe zu bekommen Und wir verbrauchen als Menschheit momentan ca.

00:04:33: ein, sieben Erden und sogar ein bisschen mehr.

00:04:37: Das heißt, wir plündern die Erde aus.

00:04:39: Wir verbrauchten mehr, als sie in natürlichen Zyklen erneuern kann.

00:04:44: Und das zirkuläre Bauen versucht das lineare System von Take-Make Waste.

00:04:50: also ich entnehme etwas der Erde, stelle daraus etwas her und schmeiß es am Ende weg.

00:04:55: Das ist das lineare System.

00:04:57: Und das zirkuläre Bauen versucht, es zu durchbrechen.

00:05:00: Im engeren Sinn versteht man darunter, dass Materialien im Kreislauf geführt werden.

00:05:06: Also in den engeren Sinn geht's um das Material.

00:05:09: Das heißt wir verwenden Produkte wieder und recyceln Materialien, um daraus wieder Produkte gleicher Qualität herzustellen.

00:05:17: Im weiteren Sinn versteht man aber natürlich darunter auch die Beachtung der anderen Kreisläufe.

00:05:22: Also zum Beispiel Wasserkreisläufe, dass wir kein Wasser mehr verschmutzen, was ja aufwendig in Anlagen hinterher reinigen müssen oder gar in anderen Ländern die Flüsse damit noch verschmutzt werden und die Meere eben verschmutzed werden.

00:05:35: oder eben den Kohlenstoffkreislauf eines unserer größten Probleme, weshalb Architects for Future hier vor der Tür gerade einen Klimastreik durchführen.

00:05:44: Der Kohlenstoffkreislauf ist auch sehr wichtig im Bauwesen weil die Baubranche durch vielerlei Baustoffherstellung eben auch ein Treiber des Klimawandels ist.

00:05:55: Das ist jetzt total großer Komplex.

00:05:58: Stellt mir das ein bisschen schwierig vor... Da jetzt überhaupt, also es geht ja vielen so.

00:06:03: Wenn man ein großes Thema vor sich hat, wo fängt man denn da an?

00:06:05: Oder in einem Kreislauf könnte man ja jetzt meinen... Wahllos einfach aussuchen, wo man da anfängt.

00:06:12: Aber was ist denn wirklich sinnvoll beim zirkulären Bau und an welchem Punkt in dem Kreislauf anzufahren?

00:06:17: Bleiben wir mal bei diesem Materialenkreislauf den ich vorhin geschildert habe.

00:06:21: Und das ist eine wichtige Frage die Sie stellen, die ich mir auch schon öfter gestellt habe Wo fange ich dann im Kreislauf an?

00:06:27: weil es gibt ja keinen Anfang und keine Ende.

00:06:29: Wir haben so in den letzten Jahren gespürt dass Baustoffhersteller dazu übergehen, ihre Produkte recycelingfähig zum Beispiel herzustellen und planende Architekten achten darauf dass Materialien am Ende in einen Kreislauf zurückgeführt werden können.

00:06:48: Das reicht aber nicht.

00:06:49: eigentlich müssen wir jetzt schon ansetzen Produkte und Baumaterialien gar nicht mehr beim Rückbau zum Beispiel zu entsorgen.

00:06:58: Also wir müssen eigentlich jetzt schon gucken, was A. Was machen wir mit dem Bestand?

00:07:01: Oberstes Gebot des Bestands erhalt also nicht zb abreißen wie wir es derzeit viel machen und neu bauen.

00:07:08: diese schreckliche Wort Ersatzneubau mag ich gar nicht aussprechen.

00:07:13: das ist ganz feuchtbar weil es immer mit einer Vernichtung von Ressourcen einhergeht um an dieser Stelle etwas Neues zu bauen.

00:07:19: Und da müssen wir gucken, dass wir viel mehr Gebäude erhalten und umbauen.

00:07:23: Weil damit der geringste Ressourcenverbrauch und auch den geringsten CO²-Fussabdruck einhergeht.

00:07:29: Vielleicht mal noch zur Erläuterung – weil viele Menschen das vielleicht noch nicht wissen – circa fünfzig Prozent des Energieverbrauchs und auch der entstehenden CO₂-Missionen im gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks, was ich heute baue sind schon in die Atmosphäre entlassen bzw.

00:07:46: verbraucht wenn das Gebäudes steht.

00:07:48: Das heißt, die Hälfte der sogenannten grauen Emissionen und grauen Energie sind bedingt durch die Herstellung.

00:07:54: Und das bedeutet wir dürfen nicht mehr so viel neu bauen Wir müssen eher erhalten und umbauen.

00:08:02: Und wenn wir das tun, dann sollten wir das natürlich auch zirkulär machen.

00:08:05: Und zirkuler bauen und sanieren bedeutet dass wir eben dann Materialien nutzen die schon aus dem Bestand oder aus der urbanen Mine heißt es so schön kommen und die weiter nutzen beispielsweise Materialien aus die ich nicht mehr brauche aus einer Sanierung oder aus einem komplett Rückbau Ausbauen aufbereiten und möglichst direkt woanders wieder einsetzen.

00:08:30: Das ist die sogenannte Wiederverwendung auf Englisch Reuse und da merkt man, dass es sich eben vom Recycling unterscheidet.

00:08:37: Weil dann auch alle Energie erhalten bleibt, die mit der Herstellung von solchen Produkten mal verbunden

00:08:48: war.".

00:08:51: Die

00:08:59: Baubrosche ist insgesamt sehr träge.

00:09:01: Wir haben in Deutschland wahnsinnig viele Regularien, Normen und so weiter.

00:09:06: Ich glaube im Bauwesen habe ich manchmal das Gefühl die allermeisten Regularien.

00:09:11: Das hat natürlich mit Sicherheitsansprüchen zu tun eine Brandschutz aber auch Komfortansprüche wie Schaltschutz usw.

00:09:19: Und diese Normen schreiben den Planenden und den Bauausführenden vor welche Techniken anzuwenden sind.

00:09:26: Und die Techniken haben aber in den letzten Jahrzehnten dieses Kreislaufsystem überhaupt nicht beachtet.

00:09:33: Das heißt, wir haben Produkte optimiert und Bauprodukte entstanden, die möglichst alles auf einmal können sollen – die Eier legende Wollmilch soll, die Wärmeschutz beachtet und Schallschutz und natürlich Haltbarkeit

00:09:46: usw.,

00:09:47: Aber was am Ende mit diesem Material denn hinterher passiert?

00:09:50: Darüber haben sich die Hersteller und auch die ganze Lobby, die in diesen Normen vertreten sind überhaupt keine Gedanken gemacht.

00:09:57: Ist ja auch kein Wunder weil sie wollen ja produzieren!

00:09:59: Sie leben ja davon.

00:10:01: Und da gibt es mittlerweile Gott sei Dank Unternehmen Die umdenken, die machen's vor und ich hab so ein bisschen das Gefühl Es läuft halt an In der Branche dass sie erkannt haben Oh verflixt uns gehen die Rohstoffe aus wenn wir so weitermachen.

00:10:14: Also muss was umgestellt werden.

00:10:17: Ich möchte jetzt den Blick mal ein bisschen auf Münster wenden, weil wir sitzen hier im Münster.

00:10:20: Sie haben es gerade schon gesagt, wir sitzen ja am Prinzipalmarkt.

00:10:23: draußen wird demonstriert.

00:10:25: Wie sieht das denn mit dem zirkulären Bauen hier in Münster oder in der Region aus?

00:10:30: Gibt es da schon Beispiele wo sie sagen kein hey bei den Gebäuden wurde das Zirkuläre bauen zumindest in gewisser Weise schon beachtet und da wurde etwas wiederverwendet Etwas was man sich jetzt vielleicht bildlich ganz gut vorstellen kann.

00:10:43: Ich glaube in Münzerland gibt's ganz viele solche Häuser.

00:10:47: Allerdings sind die schon über hundert Jahre alt.

00:10:50: Denn es war früher selbstverständlich mit Materialien weiterzubauen, die man von einem anderen Gebäude ausgebaut hat.

00:10:57: Denken Sie an die vielen Bauernhäuser im Münsterland.

00:11:00: Wenn sie da mal genau hinschauen dann werden sie feststellen dass beispielsweise in Holzbalken schon so Zapfenlöcher drin sind und man denkt, warum ist da ein Loch drin?

00:11:08: Und da kann man eindeutig sehen dieser Balken hat mal woanders gesessen Und unsere Vorfahren haben das getan, weil Material sehr wertvoll damals war und Löhne eher niedrig waren.

00:11:19: Heute haben wir eine umgekehrte Situation.

00:11:21: die Löhnen sind sehr hoch.

00:11:22: Material ist billig, weil es oft aus allen Teilen der Welt herangekart wird egal welchen Umwelt folgen.

00:11:29: Das schlägt sich nämlich nicht im Preis nieder leider bisher und das führt dazu dass wir in den letzten Jahrzehnten immer mit neuem Material gearbeitet haben.

00:11:40: Und Münster macht sich langsam auf den Weg, möchte eine Kreisverwirtschaftsstrategie entwickeln.

00:11:46: Ein explizite Gebäude, womit gebraucht Material gearbeitet wurde in Münster sind eher noch rar.

00:11:52: Mir fällt die Schule in der York-Kaserne ein.

00:11:54: Die hat beispielsweise so ne Fassade aus gebrauchten Klingern.

00:11:58: Klinger sind ein sehr begehrtes Baumaterial weil auch durch die Patina die Sonnenklinge hat es auch sehr schön aussieht Und deswegen arbeiten Architekten sowieso gerne mit Klinker und auch gerne mit gebrauchten Klinkern.

00:12:11: Es ist ein Baustein, der es handlicht.

00:12:12: Den kann man zurückbauen, jedenfalls wenn er vorher mit Mörtel vermörtelt war, der einigermaßen lösbar ist.

00:12:18: Dann kann man damit einfach weiterbauen und schöne neue Sachen herstellen.

00:12:22: Das ist allerdings nur ein Bekleidungsmaterial!

00:12:25: Die große Kunst ist dabei das Tragwerk, was den allergrößten Anteil am Ressourcenverbrauch hat eben aus gebraucht Material herzustellen.

00:12:34: Und da gibt es deutschlandweit nur sehr wenige und kein einziges in Münster.

00:12:39: Schade!

00:12:40: Was beobachten Sie denn wie die Baubranche aktuell arbeitet?

00:12:44: Also so sehr noch strikt den Jahr oder merken sie dass es da zumindest auch schon eine leichte Verbesserung gibt?

00:12:51: Es gibt Ansätze, die Handwerkskammer beispielsweise bemüht sich das auch in die Ausbildung zu bringen.

00:12:57: Wir haben auch einen Studiengang zusammen mit der Handwerksammer bauen im Bestand.

00:13:01: ein ganz wertvoller Studiengang weil ich habe ja schon betont wie wertvoll das erhalten von Gebäuden ist Und die Handwerkskammer sind jetzt sich Betriebe angeschlossen und insofern hoffe ich, dass durch die Bemühungen der Handwerksammer sich das auch verbessert.

00:13:14: Es gibt auch einige Vorreiter im Münsterland sowohl größere als auch kleinere Betrieben.

00:13:20: Ich werde gleich noch berichten von der Kreiselkiste, die zum Beispiel mit der Firma Brünninghoff in Kooperation entstanden ist oder mit dem Meisterbetrieb Röwekamp und Stumpe hier aus Münster, die sich schon lange mit Lehmbau- und Holzbau beschäftigen.

00:13:35: Dank endlich mehr Gehör finden, weil den Menschen bewusster wird, dass wir so nicht weitermachen können.

00:13:42: Genau auf die Kreisekiste wollte ich leicht zu sprechen kommen.

00:13:45: vorher

00:13:45: möchte ich aber gerne nochmal ein Beispiel von einer Stadt haben, wo es denn besonders gut läuft, zumindest er sich bestenfalls noch ein bisschen was abschauen könnte.

00:13:53: Wo kann man abschaufen?

00:13:54: Ich glaube eher im Ausland also beispielsweise in der Schweiz.

00:13:59: Wenn ich über Wiederverwendung nachdenke, fallen mir sofort die schönen jüngsten Projekte ein.

00:14:05: Die entstanden sind vom Baubüro INSITU, einen Architekturbüro, was sich auf das Bauen mit gebrauchten Baumaterialien spezialisiert hat.

00:14:12: Da gibt es Projekta in Basel – das ELIS zum Beispiel oder das LIS-Acht -, wo man mit sehr vielen gebrauchtem Materialien gearbeitet hat Gebrauchte Fenster, gebrauchten Fassadenbekleidungsmaterialien.

00:14:26: Bis hin jüngere Projekte wo sogar tragende Betonbauteile wiederverwendet werden.

00:14:32: Ist das die Gebäude auch schön?

00:14:35: Das kommt darauf an aus welchem Standpunkt man das betrachtet.

00:14:38: ich weiß es gibt Kollegen die sehen das kritisch und manches wird so beäugt ist das jetzt eine Bastelai?

00:14:45: Ich kann vielleicht dazu sagen wenn ich so Kiesabbau sehe und Sand abbauen dann ist es auch nicht schön.

00:14:53: Und die Erde hat eine wunderschöne Natur eigentlich und wir sind gerade dabei, diese wunderbare Schönheit zu zerstören.

00:15:01: Deshalb müssen wir mehr darauf achten dass wir in diese Widerverwendung kommen.

00:15:07: aber ich bin natürlich auch von Herzen gerne Architekt hin und achtet da drauf das es auch möglichst schöne Bauwerke entstehen und das ist die Kunst im Zukunft von Architekten auch mit gebrauchten Materialien Baukultur zu schaffen.

00:15:20: Das heißt schöne Häuser zu bauen!

00:15:23: Sie haben ja jetzt gerade schon die Kreisekiste erwähnt.

00:15:26: Die haben sie zusammen mit ihren Studis an der FH gebaut, das ist so ein Pavillon, der gerade auf dem Domplatz aufgebaut wird und ab Ende des Monats dann auch bis Ende des Sommers dort stehen wird.

00:15:37: Ich will gar nicht mehr so viel vorwegnehmen.

00:15:39: Erklären Sie doch einmal was soll denn diese KreiseKiste überhaupt?

00:15:42: Ja, die Kreiselkiste ist ein Experimentalbau!

00:15:46: Das heißt, wir testen an dem Projekt wie gut das zirkuläre Bauen schon jetzt funktioniert und was optimiert werden muss.

00:15:54: Es ist auch ein Lernobjekt natürlich – es ist ein interdisziplinäres Projekt der FH Münster.

00:16:00: Die Initiative ging gar nicht vom Fachbaruch Architektur aus, sondern vom Fachbereich Ökotrophologien-Facility Management.

00:16:08: Laura Krieger ist Projektleiterin und hatte die Idee Kreislaufwirtschaft interdisziplinär in der FH Münster über alle Fachbereiche zu etablieren – in der Lehre aber auch das Ganze von der Wissensgesellschaft in die Zivilgesellschaft zu transferieren.

00:16:28: Als ich meine Professor neu angetreten bin auf mich zu und hat gefragt, ob wir Architekten nicht einen kleinen Kiosk entwickeln könnten.

00:16:37: Der die Kreislaufwirtschaft zeigt und wo man auch zirkuläre Lebensmittel zum Beispiel herausgeben kann.

00:16:43: Und der als Veranstaltungsort gedacht ist als Diskussionsort um ins Gespräch zu kommen Workshops durchzuführen und so weiter.

00:16:54: Und die Idee habe ich damals gerne aufgegriffen, das war mein erster Kurs den ich gemacht habe und dann haben wir den in einem Kurs für Skelettbau einen Entwurf gemacht und die Idee weiterentwickelt.

00:17:06: Und was haben jetzt die Menschen im Münster davon?

00:17:10: Die Menschen in Münster können sich an der Kreiselkiste informieren über Kreislaufwirtschaft im Allgemeinen.

00:17:17: Es geht also nicht nur ums Bauen es geht zum Beispiel auch viel um Ernährung.

00:17:21: Ich hab immer gedacht Ernährung ist doch eigentlich per se zirkulär, weil alles was ich zu mehr nehme scheide ich wieder aus.

00:17:28: Also muss es doch da irgendwie einen Kreislauf geben.

00:17:30: aber tatsächlich liegt da sehr viel im Agen angefangen von dem Verpackungsabfall den wir haben bei Lebensmitteln über Lebensmittelverschwendungen Es wird sehr viel weggeworfen bis hin zu Transporten die entstehen Pestizideinsätze und so weiter.

00:17:46: also da ist vieles überhaupt nicht zirkuler und deswegen finde ich's klasse dass wir diese Disziplinen vereinen.

00:17:52: Wir haben die Kreiselkiste gebaut, eben als Veranstaltungsraum und es wird aber sehr viele Formate geben.

00:18:00: Workshops, die auch sich mit anderen Disziplinen auseinandersetzen und kreisler Wirtschaft zeigen.

00:18:05: Was war denn jetzt?

00:18:06: Wenn Sie schon im Jahr zwanzig-dreiundzwanzig mit der Idee angefangen haben – was waren dann so ein bisschen die Hürden bei dem Projekt?

00:18:11: Weil wenn ich mal ganz idealistisch da dran gehe denke ich mir, ja sie entwickeln in einem Kurs, dauert einen Semester, ein halbes Jahr.

00:18:17: Entwickeln Sie das Ding!

00:18:18: Im zweiten Semester bauen Sie das dann.

00:18:19: Das ist ungefähr ein Jahr.

00:18:21: Und dann stellen Sie es einfach auf den Domplatz auf.

00:18:23: Einfach ist das ja vermutlich nicht.

00:18:24: Ist es eher so die Technik des Bauen oder die Bürokratie, oder tatsächlich auch irgendwie die Stoffe zu besorgen?

00:18:30: Was war das Schwierigste?

00:18:31: Zuerst hat's natürlich eine Weile gedauert bis wir den Standort gefunden haben.

00:18:34: Es wäre erst ein anderer Standort im Blick und dann kamen eben zwei Workshops von der... Moment muss ich gerade überlegen.

00:18:45: Dann kamen zwei Workshop.

00:18:48: Dann kamen zwei Workshops von der Wirtschaftsförderung Münster, wo ich teilgenommen habe.

00:18:53: Und da waren andere Architekten Andreas Häupel zum Beispiel aber auch ausführende Betriebe die Tischlerei, die ich gerade schon erwähnt hab Röwekamp und Stumpe Die Handwerkskammer, die Abfallwirtschaftsbetriebe Vertreter aus der Stadt Münster.

00:19:09: Wir haben diskutiert wie man in Münster Kreislaufwirtschaft besser umsetzen kann Und es wurden Projekte gesucht, wo man das ganz schnell vom Wissen ins Handeln.

00:19:19: Es wurden Projkte gesucht , wo man ganz schnell vorm Reden in's Handeln kommen kann.

00:19:24: und da habe ich gesagt, hm, ich hab da was mit meinen Studierenden entwickelt den Kreisel Kiosk.

00:19:29: und da war der Andreas Häupel da und er hat gesagt Mensch wir haben gestern gerade auf dem Domplatz Dialog darüber gesprochen wie schön es wäre wenn man den Domplatz außerhalb der Marktzeiten etwas beleben könnte.

00:19:40: und da die Idee eines Kiosks.

00:19:42: Dann haben wir nur noch eins zusammengezählt und dann war die Idee von der Kreiselkiste auf dem Domplatz geboren.

00:19:49: Das haben wir weiterentwickelt, eben mit den Unterstützern, die ich schon genannt habe – und mussten feststellen, dass es sehr viele Hürden im zirkulären Bauen gibt.

00:19:59: Denn das besondere dieser Kreisel-Kiste ist, dass sie möglichst komplett aus gebrauchten Materialien entstehen sollte.

00:20:06: Und zwar nicht nur Bekleidungsmaterialien sondern auch das Tragwerk!

00:20:11: Und die Studierenden hatten von vornherein die Aufgabe, sich zuerst Material zu suchen und daraus eine Konstruktion zu entwickeln.

00:20:21: Üblicherweise ist es umgekehrt.

00:20:23: Wir kennen das vielleicht, man hat einen Bedarf an Räumlichkeiten daraus entwickeln, Architekten dann einen Entwurf aus diesem Bedarf und dann wird eine Konstruktion erstellen wie man diesen Raumbedarf umsetzen kann und am Ende ordert man die Materialien für den Bau aus allen Teilen der Welt.

00:20:41: Und wir haben's eben genau umgekehrt gemacht.

00:20:43: Erst Material, dann Konstruzion, dann Entwurf.

00:20:46: Dann haben wir den Bauantrag gestellt.

00:20:50: Das dauert natürlich ein bisschen.

00:20:53: Und dann waren plötzlich die Materialien, wo die Studierenden das Tragwerk draus errichten wollten gar nicht mehr verfügbar.

00:20:59: Sie hatten sie gefunden auf einer Onlinebörse und als der Bauantrag da war gab es das Material gar nicht.

00:21:07: Dann haben wir versucht Ersatzmaterial zu beschaffen.

00:21:09: Das hat aber nicht so funktioniert für die Konstruktion, die sich überlegt hatten.

00:21:13: Es war eine schöne filigrane japanische Zangenkonstruktion und wir mussten umschwenken weil auch langsam die Zeit drängte auf andere Profile.

00:21:23: Das heißt es hat jetzt auch etwas des Bauen verändert und da werden wir viel wahrscheinlich in der Kreiselkiste darüber diskutieren.

00:21:31: das waren so die einen Hürden.

00:21:33: Die anderen Hürde war viel Bürokratie Nicht beim Bauamt, das hat super mitgespielt.

00:21:39: Das möchte ich an dieser Stelle mal ausdrücklich loben.

00:21:42: Es waren eher die schon erwähnten Normen, die ich beschrieben habe vorhin, dass natürlich auch die auswendenden Betriebe bedenken hatten.

00:21:51: kann man dieses und jenes zu umsetzen?

00:21:53: ist es genauso haltbar?

00:21:54: erfüllen wir damit die Sicherheitsvorschriften usw.

00:21:57: Und da kommt das zum Tragen was ich vorhin beschrieben hab ,dass die Zirkule Economy in den Regularien noch gar nicht vertreten.

00:22:04: Also die Technik war es gar nicht so sehr, weil eigentlich haben wir heute schon die technischen Möglichkeiten weitgehend.

00:22:10: Wir haben das ja auch aufgezeigt beim Atlas Recycling.

00:22:13: Jetzt schreiben wir gerade am Atlas Zirkulär Bauen.

00:22:15: Es ist ein Kompendium was sich an Architektur schaffen derrichtet und da beschreiben wir ganz explizit im Detail wie man zirkuläre konstruiert und auch gebrauchtes Material gut einsetzen kann.

00:22:26: Die Techniken sind da.

00:22:27: Wir müssen das Wissen dafür noch mehr verbreiten.

00:22:30: Das ist eine Hürde, dass viele Planende in ihrer täglichen Praxis anders konstruieren gewohnt sind Und die vielen Plannen müssen sich erst mal dieses neue Wissen, demontable Verbindungstechniken.

00:22:45: Welche Materialien sind wirklich recyclingfähig?

00:22:47: Was muss ich beachten wenn nicht mit gebrauchten Material arbeiten und weiter?

00:22:51: Das müssen sich viele erst noch aneignen.

00:22:54: Es ist aber ein Lernprozess der glaube ich nicht allzu lange dauern muss und dann kann man eigentlich loslegen.

00:23:00: das heißt dass was uns im Moment noch wirklich Sorgen bereitet ist die Bürokratie Vielleicht ein besonderes Beispiel.

00:23:08: Baustoff, Baumaterialien verlieren mit dem Ausbau aus einem Gebäude ihre Zulassung.

00:23:14: Wenn ich also einen Fenster beispielsweise eine Tür aus einem Gebäude ausbaue dann hatte die vorher eine Zulassung vom Deutschen Institut für Bautechnik.

00:23:23: wenn sie ausgebaut ist hat sie diese Zulasse nicht mehr.

00:23:27: Und wenn ich als Architekt solche Materialien verplane und als Bauunternehmen solche Materialie einsetze, dann stehe ich mit einem Bein fast im Gefängnis.

00:23:36: Weil dann liefere ich derzeit noch ein mangelbehaftetes Werk ab.

00:23:39: Automatisch!

00:23:40: Egal ob es wirklich zu einem Schaden kommt oder nicht.

00:23:43: Dadurch dass sich ein Material verbaut hat was keine Zulassung hat ist automatisch ein mangelbehaftes Werk.

00:23:49: da ändert sich gerade was.

00:23:52: Die Architektenkammer in Bayern hat angestoßen den Gebäudetyp E, E wie einfach e wie experimentell.

00:23:59: also das Experiment was wir gerade auf dem Domplatz mit der Kreiselkiste durchführen bedeutet dass wir uns etwas von den Normen lösen können wenn andere Konstruktionen, andere Lösungsansätze haben die wir auch mit Ingenieurwissen nachweisen können dass sie genauso gut sind.

00:24:16: Dann ist es so das man nicht automatisch ein mangelbehaftetes Werk umsetzt.

00:24:21: dafür wird gerade das bürgerliche Gesetzbuch geändert was erforderlich ist und dann wird es auch einfacher sein.

00:24:27: aber momentan müsste man für solche Dinge noch Zulassungen beantragen.

00:24:32: Das gleiche Problem hatten wir bei der Kreiselkiste tatsächlich.

00:24:36: Die Stahlbauteile, die wir eingekauft haben, hatten eigentlich nur einen Shortwert.

00:24:41: Wir haben sie dann prüfen lassen im Labor und haben bautechnische Kennwerte testen lassen wie beispielsweise Zugfestigkeiten von Stahl Und dann konnten wir den Stahl wieder einordnen in eine bestimmte Kategorie, Klassifizierung.

00:24:56: Dann hat das Bauunternehmen Brünninghoff gesagt okay damit können wir bauen jetzt haben die Kennwerte und dann können wir ein neues Prüfzeugnis ausstellen und damit haben wir die Sicherheit dass auch die Standfestigkeit des Objekts gewährleistet ist.

00:25:09: Das ist natürlich ganz wichtig.

00:25:12: Die deutsche Bürokratie ist ja wirklich

00:25:14: bescheuert an vielen Punkten.

00:25:16: Ja, also wenn es um Sicherheit geht kann ich das noch verstehen wobei mich ärgert dass wir mit unserer Normung versuchen sozusagen dadurch natürlich Leben zu retten.

00:25:26: Das ist richtig.

00:25:28: was wir aber missachten, der mit unserer derzeitigen Wirtschaft Tausende von Menschen leben gefährden in der Zukunft.

00:25:36: Also wir wissen alle, dass es zu Naturkatastrophen kommen wird.

00:25:40: Vielleicht nicht unbedingt bei uns!

00:25:41: Wir merken zwar auch erste Auswirkungen des Klimawandels aber in anderen Teilen der Welt wird es durch unser Verhalten massiv naturkatastrophe geben wo viele Menschenleben von Betroffen sind und das berücksichtigen unsere Norm eben nicht.

00:25:56: Ja da leben wie hier halt noch in unserer ganz schön perfekten Welt wo das noch irgendwie ganz gut klappt.

00:26:03: Ich finde das deswegen total spannend, dass Sie ja an der FH jetzt quasi die nächste Generation von Architekten ausbilden und denen ja jetzt auch hoffentlich anderes Wissen andere Werkzeuge mitgeben, mit denen sie ihre Arbeit in Zukunft hoffentlich besser darauf ausrechnen können.

00:26:19: Wenn Sie sagen Ihre Studierenden sind eher so Rückbauexperten oder wären die Neubau-Profis?

00:26:26: Was ist das Ziel für die Zukunft?

00:26:30: Ich glaube, sie sind einerseits Bestandsexperten und sie sind vor allen Dingen auch offen für das Experiment.

00:26:37: Wir merken ja dass wir viel falsch gemacht haben in der letzten Zeit und deswegen glaube ich müssen wir an den Hochschulen wieder mehr den experimentellen Charakter fördern!

00:26:47: Wir bilden natürlich Menschen aus für die Praxis Aber wir müssen Ihnen auch das Handwerkszeug mitgeben, was in Zukunft anders gemacht werden muss.

00:26:55: Ich erlebe dass die jungen Menschen in vielen Architekturbüros sehr begehrt sind wenn sie sich solches Wissen aneignen weil natürlich die alten Hasen da draußen diese Art von Bauern des zirkuläre Bauern eben nicht gelernt haben.

00:27:08: und deswegen glaube ich dass wir den jungen menschen Basiswissen mit geben.

00:27:15: Das hängt gar nicht mit einzelnen Konstruktionen zusammen, sondern eher dass sie Dinge hinterfragen.

00:27:21: Dass sie eine eigene Haltung entwickeln.

00:27:23: Dass Sie die Methoden lernen, mit denen man zirkulär baut.

00:27:27: Das ist glaube ich ganz wichtig!

00:27:29: Dass Sie es quasi einfach mehr mitdenken

00:27:31: wenn's möglich.

00:27:33: Ja an dieser Stelle möchte ich ganz kurz eine Info in eigener Sache einschieben und zwar für diejenigen unter Ihnen, die Rums vielleicht noch gar nicht kennen Wir sind ein digitales Lokalmedium hier für Münster und das auch schon seit inzwischen sechs Jahren.

00:27:46: Unser Ziel ist es, nicht einfach nur zu berichten sondern wirklich ganz genau hinzuschauen gut zu recherchieren und vor allem auch Zusammenhänge zu erklären und einzuordnen.

00:27:56: Das Ganze machen wir mit einem Newsletter dem wir zweimal die Woche per E-Mail an unsere Abonnentinnen und Abonenten

00:28:01: verschicken

00:28:02: Und darin geht es dann um ganz verschiedene Themen die halt gerade im Münster aktuell und wichtig sind.

00:28:07: Das kann Politik sein, das kann Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur oder Wissenschaft sein.

00:28:12: Wenn Sie darüber mehr wissen möchten oder einfach einmal Probe lesen möchten, dann schauen sie doch gerne mal auf unserer Webseite unter www.rums.ms vorbei.

00:28:21: Dort können Sie uns auch sechs Monate lang für nur ein Euro testen!

00:28:37: digitale Bestandsaufnahme von Gebäuden aus.

00:28:41: Also wissen wir überhaupt, welche Schätze sag ich jetzt mal?

00:28:45: also ob Kupferstahl oder Beton was man da noch schönes alles drin hat in Münsters Gebäude schlummern könnten?

00:28:51: Oder wissen wir das gar nicht?

00:28:53: In Münzers Gebäuden wissen wir es glaube ich nicht.

00:28:55: Es gibt ganz grobe Zahlen, das Umweltbundesamt hat mal eine Studie veröffentlicht über Urban Mining und demnach wissen wir dass in Deutschland alleine achtundzwanzig Milliarden Tonnen an Material im Bauwesen also in gebauten Objekten steckt.

00:29:12: Fünfzehn Milliarden Tonne davon entfallen auf Gebäude.

00:29:14: der Rest ist Infrastruktur wie Straßenbrücken usw.. Und man weiß auch so ganz grob, welcher Anteil davon zum Beispiel Beton ist oder Ziegel.

00:29:24: Wie viel durchschnittlich an Metallen in Gebäuden schlummern für Leitungen Technik und so weiter?

00:29:31: Aber man weiß es nicht für einzelne Gebäude.

00:29:33: Man kann das feststellen beim Rückbau und dann kann man aufgrund des Bauzeitalters z.B.

00:29:38: sagen dieses und jenes Gebäudes ist wahrscheinlich ein Siegelbau.

00:29:42: Es gibt mittlerweile sogar eine digitale Landkarte dafür wo man solche Daten abrufen kann.

00:29:49: Und wo versucht wurde, in der Forschung zu sagen, hm, dieses und jenes Gebäude ist wahrscheinlich so nicht so viel aus Mauerwerk oder Ziegeln aus Beton gebaut worden, sondern so viel Stahl steckt da drin usw.. Es ist aber nur eine ganz grobe Annahme und leider, es ist auch oft falsch.

00:30:04: Also ich habe mein eigenes Haus wo ich wohne mal gegoogelt und ich weiß dass das ein Holzbau ist und angeblich stecken hauptsächlich Beton- und Ziegel da drin und das stimmt nicht.

00:30:14: Aber trotzdem finde ich die Richtung korrekt so da heranzugehen und zu sagen wir müssen Gebäude kartieren Wir müssen einen Materialkatastor entwickeln Und das können wir natürlich am besten, wenn gebaut wird oder nicht nur wenn neu gebaut wird.

00:30:30: Sondern auch wenn saniert wird, dass man in Zukunft zum Beispiel mit der Baugenehmigung einen Gebäuderessourcenpass vorlegen muss und dann könnte man diese Daten digital in einem Katastar – wir haben ja jetzt schon die Liegenschaftsämter, die haben das Liegenschafskatasta – ich würde mir wünschen, dass es dort angesiedelt ist, dass automatisch die digitalen Gebäuderesourcenpassen von Architekten erstellt werden Speichert das alles und man weiß ganz genau, aha in dem Gebäude haben wir so viel Materialien an diesen Baumaterialien, die ich gerade genannt habe.

00:31:03: Das würde der nachfolgenden Generation wesentlich einfacher machen den Rückbau zu kalkulieren.

00:31:09: wenn man dann sogar noch Informationen hat wie es verbaut ist, wie es verbunden ist kann man viel leichter sagen ah das können wir uns auf die Art und Weise wieder zurückholen und dann bekommt ein Gebäuden nochmal einen ganz anderen Wert.

00:31:21: heutzutage geht Hängt der Wert eines Gebäudes hier hauptsächlich von der Lage ab.

00:31:27: Wenn man Immobilienmarkler fragt, das ist immer A die Lage B die Lage C die Lage dann ist es natürlich vielleicht noch wichtig was ist es überhaupt für ein Gebäude?

00:31:35: wie ist die Bausubstanz?

00:31:36: Was haben wir überhaupt für einen Baukulturellenwert?

00:31:40: Das bestimmt ja den Wert eines Gebäudes.

00:31:43: aber in Zukunft wenn Materialien noch knapper werden wird auch die Baushubstans also dass Materialen natürlich sehr wertvoll sein und deswegen sind diese Karten wichtig.

00:31:52: Dann haben wir wirklich eine richtige Urbane Min oder ich möchte eher lieber sagen ein urbanes Depot, was wir bewirtschaften.

00:32:01: Die Stadt Münster möchte ja jetzt auch... Wir haben gerade schon über die Zukunft geredet aber das große Ziel der Stadt ist es ja bis zu zwanzig dreißig klimaneutral zu sein.

00:32:11: Wie realistisch das Ganze ist einmal dahingestellt.

00:32:14: wenn man jetzt vor allem mal auf dem Bausektor schaut gibt es ja noch relativ viele Großprojekte, die hier gerade in der Stadt realisiert werden oder bestenfalls auch noch realisiert wird sollen.

00:32:24: Ist das damit überhaupt ansatzweise möglich Klima-Neutral zu sein?

00:32:30: Bis zwanzig dreißig wenn Sie mich so fragen.

00:32:32: ganz ehrliche Antwort nein.

00:32:35: da draußen demonstrieren gerade die Fridays for Future.

00:32:37: ich kann hier nicht sitzen und sagen wir schaffen das schon weil ich glaube wenn wir so weitermachen wie jetzt dann schaffen wir es gar nicht.

00:32:45: Im Moment erleben wir ja auch in der Politik wieder ein bisschen eine Rolle rückwärts, in einer Bundespolitik und erst recht in der Weltpolitik.

00:32:53: Das ist katastrophal weil wir seit Jahrzehnten wissen dass wir vieles falsch machen und wir kriegen einfach nicht die Kurve.

00:33:00: und das frustriert mich manchmal richtig.

00:33:03: Weil ich habe ein kleines Enkelkind es ist ein Jahre alt und ich denke dann immer was hinterlassen wird ihn für eine Welt Bemüh ich mich eben durch meine Profession, viele davon zu überzeugen was anders zu machen und es findet ja so langsam auch Gehör.

00:33:19: natürlich machen.

00:33:20: Viele andere auch noch mit.

00:33:23: Ich habe viele Mitstreiter in der deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen an den Hochschulen.

00:33:26: Die Kollegen die jetzt an der FA Münster sind, sind viele dabei, die genau in die richtige Richtung gehen.

00:33:32: das gibt mir wiederum Hoffnung dass wir da vielleicht doch noch die Bauwände hinkriegen Und die Menschen sind natürlich auch lernfähig Wir helfen ja oft, dass wir Dinge anders machen.

00:33:44: Und gerade die Krise, die wir jetzt wieder erleben mit der Energieknappheit bedingt durch die Kriege, die zeigt uns ja das wir viel zu abhängig sind von anderen Staaten und fossilen Energieträgern usw.

00:33:57: Da habe ich manchmal die Hoffnung, dass dann doch noch die Kurve kriegen und merken Menschen, wir müssen diese zirkulären Kreislaufe der Erde endlich beachten!

00:34:05: Wenn Sie in der Stadtverwaltung sitzen dürften?

00:34:08: Und drei sofort Massnahmen für das nachhaltige Bauen einfach mal so implementieren dürften.

00:34:15: Wir reden jetzt mal von Wunschdenken, welche wären das?

00:34:20: Drei Dinge.

00:34:22: es ist nicht so einfach.

00:34:23: Sie dürfen

00:34:23: entscheiden.

00:34:24: also als allererstes würde ich jeden Abriss jeden Rückbau hinterfragen.

00:34:30: Es gehört alles nochmal auf den Prüfstand, was schon beschlossen worden ist.

00:34:34: Ich wünsche mir das dann für solche Rückbauvorhaben geprüft wird ob man nicht durch einen Umbau Gebäude erhalten kann.

00:34:43: dass wir zumindest Analysen machen wie viel Ressourcen Vernichtung entsteht durch diesen Rückbau Wie viele Treibhausgasemission werden verursacht weil wir alles neu bauen und dass dann diese Umweltschäden auch ein Preis bekommen.

00:34:57: dass bei der Wirtschaftlichkeit endlich berücksichtigt wäre dass die Umweltfolgekosten von unseren Kindern und Enkelkindern bezahlt werden müssen.

00:35:05: Das können wir denen nicht alles aufbürden, zusätzlich zu dem was wir ihnen sowieso gerade aufbürgen.

00:35:11: Und das ist also eine Sache Rückbau hinter Fragen und Analysieren.

00:35:16: Die zweite Sache ist, wenn gebaut wird – egal ob es ein Neubau ist oder eine Sanierung -, dass städtische Gebäude immer mit Gebäuderessourcenpass erstellt werden müssen und das dieser GebäuderesourcenPass auch bewertet wird.

00:35:30: Es gibt dafür inzwischen Instrumente, eines habe ich selbst entwickelt den sogenannten Urban Mining Indexes, es gibt aber noch andere Instrumentarien zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, mit denen man Zirkularität bewerten kann.

00:35:43: Und wenn ich dann einen Gebäuderessourcenpass hätte, der bewertet ist.

00:35:47: Dann könnte man ja sagen Wenn das nur zwanzig Prozent Zirkularität hat bekommt es gar keine Baugenehmigung.

00:35:53: Wenn es so zwischen zwanzig und vierzig sind, dann gibt's einen Eintrag im Grundbuch.

00:35:57: Weil das könnte ja noch besser sein.

00:35:59: Und wenn man eben dadurch mehr Zinsen zahlen muss, weil man diesen Grundbucheintrag hat als Last auf dem Grundstück, dann würde dass die Bauherren antreiben, zirkulärer zu bauen.

00:36:11: Dann wäre vielleicht endlich der Preis, der im Moment noch manchmal etwas höher ist gerechtfertigt, weil ja die Abfallproduktion eben dann plötzlich auch Geld kostet.

00:36:22: Und dann könnte man sagen, alles was so zwischen vierzig- sechzig Prozent ist in Ordnung.

00:36:26: Wird genehmig kann gebaut werden.

00:36:28: und wenn jemand wirklich richtig sich anstrengend über sechszig Prozent Zirkularität hat, dann können es Fördermittel geben Und das wird, glaube ich, einen Anschub wirklich bringen.

00:36:37: Dazu muss sich natürlich sagen dass Münster das nicht einfach so machen kann weil Baurecht ist ja länderrecht und natürlich müssen die muss das Bauamt sich hier auch an das Baureicht halten.

00:36:49: aber es wäre sehr gut wenn das in Nordrhein-Westfalen und den ganz Deutschland eingeführt werden könnte.

00:36:56: Ja und die dritte Sache, die ich mir wünschen würde wäre das Münster bei öffentlichen Bauvorhaben.

00:37:02: Die Ausschreibungen auf Zirkularität ausrichtet.

00:37:05: Das fängt damit an, dass man in Wettbewerben die Stadt durchführt.

00:37:09: Für Schulen beispielsweise oder für Ämter.

00:37:12: Die Wett-Bewerbsleistungen für Architekten so formuliert das zirkuläre Bauwerke entstehen sollen und dann muss natürlich auch wenn dann geplant ist der Ausschreibung für die Auswirrenden Unternehmer die Kriterien der Zerkularität mit in die Ausschreibung aufgenommen werden.

00:37:29: Und dann wird es auch so ausgeführt

00:37:31: bestenfalls ja.

00:37:33: ich habe zum Abschluss noch Eine bisschen persönlichere Frage.

00:37:36: Sie haben gesagt, sie wohnen in einem Holzbau aber wenn sie nochmal umziehen würden?

00:37:40: Würden sie dann lieber selbst in so einen ficken sanierten Altbau wohn oder im neuen, also neu gebauten Tiny House?

00:37:49: Ich würde den Altbau bevorzugen.

00:37:51: Ich glaube, dass die Tiny House-Entwicklung auch wenn dahinter so ein bisschen Desofficienzprinzip steckt.

00:37:56: Das heißt man ist mit einem kleinen Haus zufrieden.

00:37:59: Aber ich glaube aber das es in die falsche Richtung geht.

00:38:01: Denn das hat soziale aber auch ökologische Gründe.

00:38:05: Wenn wir mal so die letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte zurückblicken, dann haben eigentlich in früheren Jahrhunderten viele Menschen in einem Haus gemeinsam gewohnt.

00:38:14: Und wenn wir mal in andere Teile der Welt schauen – da ist es selbstverständlich -, dass mehrere Familien ein Haus bewohnen.

00:38:21: Die teilen sich viel mehr!

00:38:22: Die teilnen sich Haushaltsgegenstände, die teilen mobilität.

00:38:28: Wir haben in den letzten Jahrzenten immer mehr diese Vereinzelung.

00:38:32: Erst haben wir dann diese typische Vier Personenfamilie gehabt, Papa Mama und zwei Kinder.

00:38:38: Und dafür dann ein Haus für gebaut.

00:38:41: Mittlerweile geht es dahin, dass man als Paar ein Haus hat weil vielleicht die Kinder ausgezogen sind und man nicht auszieht.

00:38:48: Wenn wir jetzt noch dazu übergehen das jeder Einzelne für sich einen Tiny-Haushalt.

00:38:51: Ich glaube das läuft völlig in die falsche Richtung.

00:38:54: Es steht in keinem Verhältnis dieser Ressourcenverbrauch für ein kleines Haus.

00:38:58: Das ist halt ja eine wahnsinnig schlechtes Verhältnissen von Hülflächen zu Volumen.

00:39:02: also das was ich baue für das bisschen Raum, was ich dann da habe ist vielleicht auch nicht gerechtfertigt.

00:39:07: Ganz abgesehen von Flächenfußabdruck den auch so einen Tiny House hat wenn Sie sich vorstellen ganz viele kleine Häuser und das zersiedelt natürlich auch die Landschaft.

00:39:16: deswegen bin ich nicht unbedingt ein Freund von Tiny Häusern auch wenn es vielleicht oft eine Leichtbauweise ist, die nicht so viel Ressourcen verbraucht.

00:39:24: Ich bin ein Freund davon Bestands zu erhalten und deswegen würde ich den Altbau bevorzugen.

00:39:28: Das muss auch gar kein so schicker Altbau sein, es hört sich oft an als wäre das dann so... So ein Leben im Elfenbeinturm, wenn man so eine tolle Altbauwohnung in Berlin oder auch hier einen Münster im Kreuz Zettel hat können sich die meisten Menschen sowieso nicht leisten.

00:39:45: Ich wäre auch zufrieden mit einem schönen Haus aus den Sechziger- oder Siebzigerjahren.

00:39:50: Wenn das schön saniert worden ist zirkulär dann kann man auch da ganz wunderbar drin wohnen.

00:39:56: Toll!

00:39:56: Da gibt es bestimmt einige Gebäude bei denen man das hier in Münster noch mal nachholen könnte...

00:40:01: Unbedingt!

00:40:01: ...dass sie zukunftsfähiger

00:40:03: sind.

00:40:04: Ja, Frau Rosendacker, dass Sie heute hier waren.

00:40:06: Für alle die gerade zuhören

00:40:08: wenn

00:40:08: euch das hier gefallen hat und ihr gerne noch mehr Folgen hören möchtet dann findet ihr alle weiteren Folgen vom Rumspotcast die große Frage auf euren Streaming-Plattformen vermutlich der auf der ihr das hier grade hört Und ich freue mich wenn ihr wieder einschaltet.

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